Countdown zum Mut/ Wutausbruch

Ich wünsche mich zurück, in eine Zeit wo alles in Ordnung war. Ans Meer, in die Berge, in meinen Kursraum, auch an meine Arbeitsstätte, in eine stressig schöne Zeit ohne den F*CK Krebs.

Aus meinen Notizen.

Unterm Sonnenhut, Tränen laufen lassen.

23.3. Abends: ich freue mich soooo, dass ich morgen früh nicht deswegen aufstehen muss, um zur Therapie zu gehen. Nach 22 Wochen keinen Gedanken dran verschwenden. 🙏 Morgens: Fahrt nach Weimar mit dem Zug und Meeta holt mich ab!!! 😊 wir parken in der Stadt und gehen zum Markt. Ich freue mich sooo, mich endlich mit ihr zu treffen, meiner indischen Zwillingsschwester 💛💛. Nachdem ich mich kurzzeitig wie in Asien gefühlt habe(so muss es also sein, wenn man dort einkaufen geht), gehen wir gleich nebenan in den neuesten 36PhoCo, Tempel kann man sagen zum frühstücken. Wir beide sind wie angefixt zum Fotografieren ob der supergenialen Einrichtung. Wir sind ein wenig geflasht glaub ich. Und es gibt echt viel zu erzählen jeweils und wir haben dann doch auch kurz beide Tränchen in den Augen. Oh Mann, was sagen wir immer nur für berührende Worte. Geredet haben wir über unsere kleinen und großen Jungs, die Fotografie, was Eltern mitgeben, den Krebs, neue Pläne, weniger Konsumdrang und wieviel Freunde wirklich wichtig sind. Das war glaub ich der Zeitpunkt für das Emotionale. Ja, wir werden älter und entscheiden uns nun für ‚Weniger ist mehr‘ und die kleinen Dinge im Leben, the little things….

25.3. Ich bin heute nach 5 Monaten das erste Mal wieder Rad gefahren. Jippie dachte ich während meiner ersten Meter in unserer Straße, und mein Brustkorb schwoll kurz an vor Freude! Happy!!! Ega Park mit Mutti. Angelika aus der Straßenbahn-Tür zugerufen. Die neue WIMPELKETTE zusammen mit m Nachbar aufgehangen. Fotosession an und im Theater. Pläne für nächste Woche.

1.4. Wie heute jemand schrieb, weil es schneite: „Hier handelt es sich um einen wenig innovativen Aprilscherz.“ Fast bis Nachmittag Schneefall. Im Stadtpark läuft eine Mutter mit Kind auf dem Schlitten über die weißen Wiesen.

2.4. Nochmal ein paar Schneeeindrücke einfangen. Schnee auf Frühling. Weiß auf rosa, weiß auf gelb, weiß auf grün. Angelika kurz besuchen, von außen und weit wegstehend. Ein Schwätzchen halten. Blumen verschenken 🌷🌷🌷

6.4. Immer noch kein Wachstum von Augenbrauen und Wimpern erkennbar. Die letzte Chemo ist jetzt 3 Wochen her und ich fühl mich echt nackt im Gesicht.

23.4. Die Puffböhnchen kommen aus der Erde als winzig schöne Keimlinge. Das erste wonach ich gucken musste nachdem wir zuhause wieder angekommen sind. Aus Belgien. Urlaub. Letzte Flucht vor dem unausweichlichen. Hab heute auf der Fahrt das erste Mal so richtig dran gedacht. Es ist so ein richtiges scheiss- Gefühl, zu wissen dass es bald soweit ist mit der OP. Habe schon an Keke, Mutti, Papa gedacht, alle haben schon mindestens einmal so etwas durchstehen müssen. Keine Ahnung wie ich es schaffe, schon wieder einmal so eine Sache, durch die man ganz allein durchmuss. Ich will noch mit dieser einen Frau sprechen, die sich auch eine Brust hat abnehmen lassen müssen. Ich gucke in den Spiegel und habe immer noch den Gedanken an die Hoffnung, dass doch alles an mir dranbleiben darf ….

24.4. Treffen mit C., extra aus Weimar gekommen und W., extra mitm Rad durch den Regen gefahren (und nebenbei wieder vorm-Hintern-platt-sitzen gerettet, seine Aussage dazu;-)). Ich freu mich sehr dass es stattgefunden hat, auch gerade dass W. generell immer mal fragt nach meinem Befinden und immer gerne meine Einladungen zum Draußensein annimmt. Zumal wir lange nicht so wirklich Gemeinsamkeiten hatten. Das Schönste was er gesagt hat gestern, war, dass er dafür dass ich wieder gesund werde, mir alle seine Kurse geben würde. (Bezugnehmend auf unsere Anfangsstory, als ich ihm einen Kurs „weggenommen“ habe… eine Sache die er gerne Jedem der es wissen oder nicht wissen will erzählt 😅😅. Vielleicht Gärtnern wir zukünftig zusammen 😎🥕🥕🥕

30.4. Sie ist weg. Weg. Und die andre allein allein.

Es kommt heftig der Schub der Traurigkeit. Erst am zweiten Tag danach. Früh als mir die Ärztin den schützenden Gummiverband abmacht und ich nun nackt bin. Die Tränen laufen. Wo ich gestern und vorgestern noch dachte, ich steh da drüber, bin stark wie mir alle immer einreden wollen. Gestern haben wir noch gewitzelt, dass ich ja nun abgenommen habe…eine Brust weniger, kein Port mehr… jetzt denk ich wie unwirklich das ist, ich habe einfach durch diese Krankheit ein Körperteil verloren. Musste es loslassen, damit es mich nicht ganz auffrisst. Gezeichnet, neu gezeichnet, nicht mehr symmetrisch, vom Leben, vom Krebs.

Das beste an diesen Tagen ist, dass der Port raus ist und juhu, auch wenn’s ne Kleinigkeit ist, dass meine Wimpern wachsen und zu fühlen sind.

1.5. Auch wenn die Brust kein Atmungsorgan ist, kommt mir die Seite ohne Brust jetzt vor wie zugeschlossen, Ausgang versperrt. Plattgemacht.

4.5. MUTproben nach einer BrustKrebs OP: Die frische Naht/ Narbe anschauen. Die Ärztin bei der Wundkontrolle dranfassen lassen. Duschen. Wie ein Baby, unter Tränen. Der Blick in den Spiegel. Geht noch nicht 😟.

6.5. Eine Woche danach die erste Anprobe der mitgegebenen Fake Utensilien. Oh mein Gott, ich sehe zumindest von außen betrachtet, komplett aus.

13.5. Freitag. Hallo B., ich bin enttäuscht von diesem Tag. Ich war gutgelaunt, hab meine Bluse extra gebügelt und hab nichts anderes erwartet als das was ich mir gewünscht habe. Die Ärztin hat gesagt, dass sie unter Mikroskop doch etwas in dem Wächterlymphknoten gefunden haben. Jetzt muss ich nochmal hin. Weitere 10 Lymphknoten sollen rausgenommen und untersucht werden. Manno !! 😓😓😓😓 So viele Menschen haben mit mir so viele gute Gedanken gehabt. Warum kann ich ihnen nicht sagen „alles ist gut“….🥺 Ich bin soooo traurig. Ich wollte jetzt gesund sein! Wollte wieder bald am normalen Leben teilnehmen! Tanzen. Jedenfalls hat Freitag der 13. seinen Ruf als Unglückstag bestätigt, obwohl ich eigentlich nichts drauf gebe. Er hat es sich heute selber versaut. 😖 F*CK

Was machen wir morgen schönes? Es kann nicht schön genug sein.

14.5. Etwas kaputt machen, dass es scheppert. Verwüstung anrichten. Wie gut das tut. WUT rauslassen.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Gabi Lenz Gabi Lenz sagt:

    Es ist kompliziert – keine tröstenden Worte auf Lager. Diesmal nicht. Ich bin traurig und auch wütend, aber die Fragen nach dem WARUM stellen sich schon lange nicht mehr. Ich werde nicht müde werden, Dir Mut zu machen. Es kann immer etwas passieren – und so ein Mist – auch bei DIR.
    Aber auch dieser Artikel zeigt erneut, wie stark Du bist, es so zu verarbeiten, den Schmerz zu teilen und rauszulassen. Keiner kann den Verlust ersetzen, aber viele können ein Netz für Dich sein. Du bist mit Deiner Trauer und Verzweiflung nicht allein. Ich tanze morgen auch für Dich und mit Tränen sage ich Dir – halte durch und schau nach vorn … Deine Gabi

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    1. Einfach Danke ❤ ❤

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