Das Ende der Selfieflut 🤫.

Neulich dachte ich, das Ende der Selfies sei gekommen. Also für mich. Weil ich nun keine Haare mehr auf dem Kopf habe und ich mich einfach nicht sehen konnte, wollte. Aber nach ein paar Tagen, an denen ich dann doch immer mal wieder neugierig die Mütze kurz abgesetzt habe, hatten sich meinen Augen langsam an den neuen Anblick gewöhnt und ich schoss ein Selfie.

Selfies sind digitale Drogen.

Netzfund

Schon lange beschäftige ich mich gedanklich damit, einen Beitrag über dieses Selfie Thema zu schreiben, weil ich’s vor Jahren erst ziemlich bescheuert fand, andauernd Fotos von Jemanden in Nahaufnahme mit Hilfsarm drauf anzuschauen. 😅 Dann hat mich der Trend aber selbst auch angesteckt, ich gebe hiermit zu, inzwischen auch sehr oft ein Selfie von mir zu machen, wobei ich mich trotzdem frage – warum mache ich das eigentlich 🤫? Heute, in einem zwar etwas älterem Zeitungsartikel diesen Satz dazu gefunden: „Selfies sind digitale Drogen.“ Das passt finde ich ganz gut, denn gehört man zu der Sorte Perfekter-Selfie-Poster-auf-Instagram, möchte Derjenige ja Anerkennung in Form von Likes und Kommentaren dafür haben; dies zu bekommen ist total schön – wer mag das nicht – und so verlangt das Ego natürlich nach immer mehr davon. Süchtig geworden.

Vielleicht wollen wir mit den Selfies auch immer wieder kontrollieren, wer bin ich, wer will ich, wie will ich sein? Der Blick in den Spiegel genügt nicht, ist nicht festhaltbar, nicht wirklich speicherbar. Nur ein Schnappschuss mit dem Handy, inklusive ein paar schöner Filter, lässt uns zufrieden sein mit unserem Ich. Mit neuem Makeup, wuscheliger Frisur, angedeutetem neuen Outfit, dem nachdenklichen Blick, im schönsten Sunset-Licht, vor dem Sport, nach dem Sport undsoweiterundsofort. Bin ich selbstverliebt(?), ist die berechtigte Frage, die ich vor einiger Zeit auch anderen vorgeworfen hätte. Ja, warum nicht. Ist Selbstliebe nicht ein ähnlicher Begriff und gerade ein wichtiges To Do in unserer von Stressfaktoren umsäumten Arbeits- und Freizeitwelt? Wir helfen also ein bisschen nach durch das Medium Selfie, uns gut zu fühlen. Wenn es anders nicht so richtig möglich ist, wenn man etwas mehr davon braucht oder wenn man auf dem Sprung ist zu neuen Herausforderungen.

Natürlich gibt es auch die „normal“ anmutenden Selfies von sich vor einer schönen Reisekulisse oder ein Gruppenselfie, um einfach eine tolle Erinnerung zu haben, da wo man gerade feiert und wie alle ausgesehen haben. Die werden sicherlich auch in die echten oder digitalen Fotobücher platziert werden, später vielleicht sogar von den Kindern und Enkeln betrachtet werden, so wie wir damals die mühevoll gemachten schwarz/weiß Bilder in den Alben unserer Großeltern angeschaut haben. Zwischendrin gab es dann immer mal ein Porträt der Oma, was in Sonntagsrobe im Fotografenstudio gemacht wurde. Wie zauberhaft das doch aussah und wie besonders es doch war. Heute müssten sich dann also 99 Selfies als Reihe aneinanderreihen, nein ich glaube das wäre zuviel. Es würde seeeehr selbstverliebt wirken 😅.

Habe übrigens auch gelesen, was es für Arten der SelfieSucht gibt: „Borderline Selfitis: Betroffene nehmen mindestens drei Selfies am Tag auf, posten davon aber keines in den sozialen Medien. Akute Selfitis: Hier nehmen Betroffene nicht nur mindestens drei Selfies am Tag auf, die Selbstporträts werden außerdem auch zügig online gestellt. Chronische Selfitis: Betroffene haben den unkontrollierbaren Zwang, rund um die Uhr Fotos aufzunehmen – und mindestens sechs davon täglich online zu stellen.“ (gefunden im TK online Magazin)

Denke mal, ich gehöre zur Gruppe der Boarderliner. Also zum Glück immer noch Anfangsstadium. 😉😅

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Avatar von Gabi Lenz Gabi Lenz sagt:

    Liebe Kathrin,
    was für ein aktuelles Thema – ein Mensch ist viel mehr als die Summe seiner Selfies. Danke für die bezaubernden Bilder und den schönen Artikel, in dem sicherlich jede/jeder ein paar Ähnlichkeiten findet, um das eigene Tun zu entschuldigen oder zu rechtfertigen oder einfach nur, um zu sagen – OK ich stehe dazu und fotografiere gern … auch mich:-) So in der Zusammenstellung wird die gesamte Vielfalt erst richtig klar. Danke vielmals für den interessanten Blickwinkel, den Du uns wieder eröffnet hast.

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    1. Dankeschön liebe Gabi 🙌👌☺️

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