Neulich, als wir in Brugge, Belgien waren, haben wir festgestellt, dass die Autofahrt in diese Richtung fast weniger lang ist als an die Ostsee. Und schauten, welche Städte wir in der Benelux-Region noch nicht besucht hatten.
Danach diskutierten wir ein wenig, ob wir nun schon einmal in Rotterdam waren oder nicht. Ich sagte ‚Ja’, mein Mann sagte ‚Nein’, unser Sohn enthielt sich der Stimme. Wir beschlossen deshalb, (nochmal 😅🙃) hinzufahren. Also: drei Tage Großstadtgetümmel in den Niederlanden.

Während des Reha Aufenthaltes ein paar Wochen vorher im Harz hatte ich den Familienauftrag, alle Sightseeing Orte aus der ReiseSendung über Rotterdam zu googeln, wie gut und mit was es jeweils erreichbar ist. Das Hotel, eines der modernen Hochhäuser mitten im Zentrum, hatten wir schon gebucht(sogar mit kleinem Schwimmbad) und wollten nun unsere Touren bestmöglich planen. Ich persönlich finde es auch immer ganz schön, wenn man noch nicht alle Details eines Ortes weiß, oft lese ich mir(und so war es auch in diesem Fall) den Reiseführer erst nach der Reise durch, manchmal haben wir vorher auch gar keinen. 🫢
Da das Hotel direkt an der Erasmusbrücke liegt, nebenan Straßenbahn, Metro, Wassertaxi und selbstverständlich – wir sind ja in einem fahrradfreundlichen Land – hoteleigene Fahrräder, haben wir alle Möglichkeiten, gemütlich überall hinzukommen. Bei unserem ersten Ausflug merken wir, dass tatsächlich auch zu Fuß alles gut erreichbar ist. Alles ist: die Markthalle, die Kubushäuser, die gelbe Luchtsingel Brücke, die Fenix Food Factory, wie oben schon genannt die Erasmusbrücke und die vertikalen Wolkenkratzer von Rotterdams Stararchitekt Koolhaas.








Moderne Architektur ist das Stichwort, wenn man diese Stadt beschreiben will. Sie wirkt auf uns wie eine Spielwiese der Architekten. Kreativität kennt anscheinend auch beim Häuserbauen keine Grenzen. Es ist wirklich spannend zu sehen, was alles möglich ist. Das die Stadt so aussieht wie sie aussieht, ist freilich aus dem unschönen Kapitel 2.Weltkrieg entstanden. Rotterdam war eine der am schwersten von Bombenangriffen betroffenen holländischen Städte. Die Innenstadt war außer wenigen Ausnahmen komplett zerstört, genauso wie der Hafen und so wurde die City von den Stadtplanern quasi neu gezeichnet. Heute ist der Seehafen Rotterdam der größte der Welt und die vor allem in den 80er entstandenen Wolkenkratzer Viertel maßgeblich für die Attraktivität der Stadtsilhouette verantwortlich. Rotterdam ist vor allem eine Arbeits – und Feierstadt. Bürogebäude jede Menge, das ist unübersehbar. Wie wir bei unserer längeren Straßenbahn Tour feststellen, kann man aber außerhalb der Innenstadt auch in sehr schönen kleinstädtisch gehaltenen Vierteln wohnen. Es gibt viel Grün – interessant auch die größte Dachfarm Europas -, viele Wasserwege, viel Kunst an und auf Straßen und wirklich hervorragend organisierte Radwege.









„Willst du eine Großstadt mit dem Fahrrad erkunden, so lauf erstmal einen Tag.“ So würde nach diesem Städtetrip mein Rat zum Rad lauten. Wir bekommen beim Laufen einen groben Überblick der Richtungen und Entfernungen, studieren das Wie der Radwege und ich vor allem das Tempo der Radfahrer. Die Stadt ist zwar geschäftig und die Fahrradwege auch voll mit Radfahrern(so wie man das hier auch erwartet), aber ich hatte nicht das Gefühl dass es überhektisch ist. Man kann gemütlich fahren wenn man will, auch mal rumgucken und anhalten. Toll ist, dass jede Kreuzung für jede Verkehrsteilnehmerart – mit Fahrrad/ ohne Fahrrad/ Auto – ihre eigene Ampel hat. Und alle machen mit. In Paris vor vielen Jahren hatte ich den Eindruck, es gibt zwar Ampeln, aber es interessiert keinen. 🙈 Am interessantesten bei unserer Fahrradtour war der Maaßtunnel. Man fährt in eine Art Bahnhofsstation, dann mit Rolltreppe oder wahlweise Aufzug etliches an Metern nach unten, schwups ist man in der Fahrradfahrerröhre. Einen knappen Kilometer den Fluss unterqueren und dann wieder mit Rolltreppe nach oben. Fetzt!



Zwischendurch dachte ich, der Artikel könnte auch heißen „Kathrin sieht gelb“ . 😅 Es zieht sich kein roter Faden durch die Stadt, sondern ein gelber. Habe nur nicht so wirklich rausgefunden warum. Klar, Gelb ist eine Signalfarbe und passt deshalb gut zu Wassertaxis und Wasserbussen, Bojen und Ampeldrückern. Warum aber die Kubushäuser und der Luchtsingel in gelb angestrichen wurden, lässt sich für mich nur mit dem Trendsettertum der Rotterdamer beantworten. Zudem sehe ich natürlich auch jeden gelb angezogenen Menschen und auch sonstige gelbe Details unterwegs, die dann zu einer kleinen fotografischen Gelbserie werden. Auf einem ungeplanten spontanen Ausflug zum Museumspark, wo man übrigens auch wieder Architektur sehr spannend umgesetzt hat – man nennt das verspiegelte Kunstdepot liebevoll „Suppenschüssel“, haben wir den zufällig gewählten Rückweg durch die Witte de Withstraat genommen. Und befanden uns ohne es zu wissen mitten im Kunstszeneviertel Rotterdams. Kneipe an Kneipe, viele Wandmalereien und kleine und größere Ateliers und Museen. Schön!














Unser Ausblick aus dem Hotelzimmer, wir hatten die waterfront Seite, war übrigens grandios dank der vielfältigen Lichtersilhouette nachts und dem einmalig schönen Sonnenaufgangswetter. Danke Rotterdam für die schöne Zeit bei dir. 💛

PS: Ich hatte, so nebenbei erwähnt, Recht: Wir waren schon einmal hier. Lange her zwar, und nur mal einen halben Tag, aber Ja. Es gibt sogar Fotobeweise. Naja, Frauen haben eben immer Recht 🙌😇.
Superschön liebe Kathrin, macht total Lust auf diese Stadt, die Ich noch nicht kenne. Was Reiseführer angeht, bin ich genau anders. Ich muss immer alles vorher wissen …. so gut wie. Der Rest ist Spaß und Zufälle gibt es genug.
Und übrigens: Natürlich haben Frauen immer Recht.👌😘🙋♀️
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