Mindjanuary oder die schlafenden Interessen aufwecken.

Als das letzte – dieses komische Jahr – anfing, hörte ich immer wieder, die ersten Wochen im Jahr seien dazu da, langsam zu starten, sich nicht gleich wieder zu viele Termine zu machen und sich mit dem Ausrichten fürs Kommende zu beschäftigen. Am Ende des Jahres, im zweiten Lockdown, habe ich auch genau deshalb etwas mehr Zeit, um das erste Mal wirklich aufzuschreiben , was das Leben der letzten 365 Tage ausmachte und wer ich in 2021 sein möchte.

Das tat sehr gut, war befreiend. Zu wissen, dass man ein Resümee gezogen hat und seinen Ausblick einzurichten, bei Bedarf immer nochmal auf die eigenen Worte schauen zu können – sehr empfehlenswert. Ein Nebenprodukt ergab sich: Erinnerungen durchzusehen, Erinnerungen wieder neu wertzuschätzen, schöne Momente neu im Gedächtnis zu verankern. Und neben den kürzeren Erinnerungen tauchen auf einmal noch Dinge von viel früher auf.

Eine davon ist das Interesse am Reimen und Schreiben. Nicht um des reimens Willen, sondern um Gefühle und Augenblicke zu verarbeiten. Deshalb ist es mir erst gar nicht eingefallen, als ein Kollege von mir vorschlug, einen Rap vorzutragen. Das hat ziemlich Spaß gemacht, ein paar Tage später habe ich meinen Hefter wiedergefunden mit den Texten von früher. Es war eine Zeit, in der für mich noch vieles in Frage stand, ich sehr unsicher war und keinewegs meinen Platz irgendwo so richtig gefunden hatte. Fröhlichkeit und Traurigsein wechselten sich ziemlich stark ab und aus der Zeit stammen die folgenden Verse:

STIMMUNGEN.

Ich dachte,

nie mehr weinen zu müssen,

weil ich eigentlich

keinen Grund dazu habe.

Ich dachte,

nie mehr lustlos zu sein,

weil ich eigentlich

viel zu tun habe.

Immer freundlich

wollte ich nicht sein.

Dafür ehrlich.

Immer reden,

konnte mir keiner erzählen.

Dafür Märchen.

Immer mich

in die Welt hinaus schicken

gefiel mir nicht.

Träume sind erfreulicher.

Doch alles ist gelogen.

Es gibt viele Gründe

zu weinen.

kathrin wichmann

Auch damals hat es schon geholfen, alles aufzuschreiben und damit auch ein Stück vom Traurigsein loszuwerden. Wenn man nicht von der Art Draufgängertyp gestrickt ist, macht man vieles mit sich selber aus. Mein anderes Hobby parallel dazu war das Zeichnen und irgendwie kreativ sein. Neulich in dem Hefter fand ich auch erste fotografische Versuche. Beim jetzigen Anschauen denke ich mir „Was hatte ich mir dabei gedacht?“ 😅, erinnere mich aber auch lebhaft daran dass mein Bruder oft als Fotomotiv herhalten musste. Was er (glaube ich) auch immer relativ freimütig getan hat 😉.

Jedenfalls waren meine Möbel im eigenen Jugendzimmer eigenständig dekoriert, das Fensterrollo wurde mit einem Motiv aus einer Zeitschrift eigenhändig bemalt und was witzig ist: Wenn ich heute bei Bewerbungsgesprächen dabei sein darf für meinen Beruf, den (ehemalige Bezeichnung) Schauwerbegstalter, antworten viele der Aspiranten auf die Frage Warum sie für diesen Beruf geeignet sind, dasselbe wie ich damals: „Ich dekoriere gerne mein Zimmer um.“ 😊😊 Die Liebe zum Gestalten und kreativ sein ist immer geblieben, konnte ich es nicht im Beruf ausleben, dann eben zuhause (auch das dekorieren). Mann, ich bin richtig froh, die meisten Dinge aufgehoben zu haben: Einladungen für Kindergeburtstage meiner Jungs und die Fotos der Mottopartys, Picknickeinladungen im Freundeskreis, ein Jubiläumsheft für die Oma, Geburtstagsgedichte… Einiges davon verschenke ich gerade an diejenigen, die es betraf, damit da die Erinnerungen auch bei ihnen haften bleiben können.


Was darf nicht fehlen bei den Interessen? Tanzen!!! Obwohl meine Mama dieses Rhythmus-ich muss mich zu Musik bewegen-Tanz Gen hat (sie liebt die gerade aktuelle Jerusalema Challenge), hat sie mich als Kind nicht in eine Tanzschule geschickt. Dafür in die Musikschule. Zum Flötenunterricht. Leider war ich nicht sehr begabt, es war ein kurzes Intermezzo, ein kurzes Leiden der Gehörgänge meiner Familie 😉. Als ich dann eigenständig entscheiden konnte, was ich machen möchte, war es erst Jazzdance und später Stepptanz. Das Problem mit vielen Interessen liegt auf der Hand oder in der Sache der Natur: Man erreicht in Keinem ein hundertprozentiges Können. Aber – Muss man das?

Hier bin ich beim Beginn des Textes: wer möchte ich sein? Es ist in Ordnung, viele Facetten zu haben, viele Dinge zu mögen. Begeisterung zu teilen geht auch, wenn man nicht alles kann und weiß. Wichtig ist vor allem, ehrlich dabei zu sein und es zu lieben. Und wie ich gerade erst gelesen habe und für passend befunden: „….eine Glücksregel: Mach so oft wie möglich, dass was Du am besten kannst. Oder magst. Und zum Thema Hoffnung: Alles in unserem Leben ist nie so gut wie Du hoffst – aber auch nie so schlecht wie Du befürchtet hast.“ Francois Lelord

In dem Sinne, schaut auf Eure Neigungen und Vorlieben, weckt sie auf und tut es einfach! Bei mir auf der Liste: eine Stepptanz „vllt Choreo“, nicht einfach aber auf keinen Fall unmöglich ❤️.

PS: Und…der Winter ist soooo schön mit dem Schnee. Ich glaube, dass ist das nächste Thema hier im Blog: Schneelandschaften Fotografie.

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